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Nachruf auf Carlo Petrini, Gründer von Slow Food

Am 21. Mai 2026 ist Slow-Food-Gründer und langjähriger Präsident Carlo Petrini im italienischen Bra im Alter von 76 Jahren verstorben. Der visionäre Kopf hinter der weltweiten Bewegung für gutes, sauberes und faires Essen für alle hinterlässt ein bleibendes Vermächtnis. Ihm zu Ehren ist ein digitales Kondolenzbuch mit Stimmen aus dem Slow-Food-Netzwerk eingerichtet.

Jürgen Binder:

Carlo Petrini lernte ich auf der ersten Terra Madre Konferenz im Jahr 2004 in Turin kennen. Es war ein wirklich aufregendes Zusammentreffen tausender Bauern und Lebensmittelhandwerker aus der ganzen Welt. Ja, und es waren wirklich auch viele Bauern, Hirten, Köche, Imker und viele Frauen dabei und nicht nur (meist männliche) Bauernfunktionäre, wie wir sie bei den meisten internationalen Treffen sehen. Es war diese Konfrontation mit der rauen Lebenswirklichkeit der Urproduzenten und diese spezielle Unbeholfenheit vieler, die wohl zum ersten (und vielleicht einzigen) Mal an so einer Konferenz teilgenommen haben, die dieses Treffen einzigartig machte. Vor allem Hirten aus Afrika, Südamerika und osteuropäisch-asiatischen Ländern kamen in ihren schönsten farbigen, selbstgewobenen Ausgehgewändern, mit denen sie ihren ganzen Stolz zum Ausdruck brachten.

Dabei war das Treffen auch chaotisch. Die Übersetzertechnik funktionierte gelegentlich. Noch gab es Plastikgeschirr und Plastikbesteck im Speisesaal. Das Chaos regierte überall, aber irgendwie wurden alle satt und jeder hatte am Abend ein Bett. Terra Madre war eine Herausforderung und eine Inspiration für alle. Vieles hat sich seither geändert. Vieles haben wir seither geändert.

Noch höre ich seine Abschlussrede und die Rede des damaligen Prinz Charles. Der Saal war begeistert. Wir waren zusammen und bildeten eine weltweite Gemeinschaft. Carlin und Charles waren unsere Beschützer und Begleiter. Was für ein Trost. Und dieser Trost bleibt.